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Streunern und Ausreißern auf der Spur

28.07.2015

Streunern und Ausreißern auf der Spur

Streunern und Ausreißern auf der Spur - Wiebke und Peter Pawenski aus Schellerten sind als Tierretter für sieben Gemeinden unterwegs. Foto (c) Heidrich/HAZ
Streunern und Ausreißern auf der Spur - Wiebke und Peter Pawenski aus Schellerten sind als Tierretter für sieben Gemeinden unterwegs. Foto (c) Heidrich/HAZ
(Schellerten/am) Ein streunender Hund, eine ausgesetzte Katze, eine herrenlose Schlange – klarer Fall für die Tierrettung. Seit den Sommerferien ist das Sache der Kommunen. In Schellerten setzt die Gemeinde auf die Hundekenner Wiebke und Peter Pawenski.

Der Vertrag mit Wiebke Pawenski ist unterschrieben. Ein glücklicher Zufall, dass die Hundefachfrau mit ihrer Familie in Schellerten wohnt. Nicht nur dass sie sich mit ihrem Mann besonders den Kaukasischen Hirtenhunden widmet und bei der Tierärztekammer eine Ausbildung zur zertifizierten Hundetrainerin absolviert. Peter Pawenski arbeitet zudem im Hildesheimer Tierheim. Dort hat er es beinahe jeden Tag mit verstörten, ängstlichen oder aggressiven Tieren zu tun. Außerdem kann er die eingefangenen Streuner direkt an der Mastbergstraße in Hildesheim abliefern.

Schellertens Gemeindebürgermeister Axel Witte ist froh, mit den Pawenskis Fachleute gefunden zu haben, die sich der Angelegenheit annehmen. Bisher informierte die Einsatzleitstelle bei solchen Notfällen die Einsatzkräfte der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Groß Düngen. Doch nun beschloss der Landkreis Hildesheim, diese einst freiwillig übernommene Aufgabe an die Gemeinden zurückzugeben. Denen ist überlassen, wie sie diese Aufgabe regeln. Im Arbeitskreis Feuerwehr suchten die Bürgermeister kreisweit seit dem Frühjahr nach einer Lösung. Einige setzen künftig auf die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren, andere schließen sich der Schellerter Lösung an. Sieben Gemeinden sind es bislang, darunter Söhlde und Holle.

Die jährliche Pauschale, die die Gemeinde Schellerten bisher an den Landkreis gezahlt hat, bekommen nun die Pawenskis. Dafür leisten die eine 24-Stunden Bereitschaft. „Das ist kein Problem für uns“, sagt Peter Pawenski. Da das Paar auf seinem abgelegenen Grundstück Schafe hält und sieben große Hunde ihr Eigen nennt, können sie ohnehin nie gemeinsam verreisen.

„Der Vertrag ist wie eine Versicherung für uns“, sagt Axel Witte. Schließlich ist die Tierrettung im Rahmen der Gefahrenabwehr Aufgabe der Gemeinde. Streunende Hunde gelten als Gefahr und die müsse gebannt werden. Die Fundsache, als solche gilt ein herrenloses Tier, wird dem Tierheim übergeben. Die Kosten der Aktion trägt der Halter – wenn er ausfindig zu machen ist. Denn immer wieder werden Haustiere ausgesetzt. Davon kann Tierheimmitarbeiter Pawenski ein Lied singen. Gleich am ersten Ferientag ging es in diesem Jahr los. Besitzer entledigten sich ihres Hundes, neben ihm nur ein Zettel mit den Worten: „Hallo, mein Name ist Henry. Ich suche eine neue Familie“.

„Landkreisweit müssen im Monat drei bis vier Tiere eingefangen werden“, sagt Witte. Gut möglich, dass es in der Ferienzeit noch mehr werden. Hundefreund Witte denkt dabei nicht nur an die ausgesetzten Tiere. Immer wieder entwischen Vierbeiner bei der Pause auf dem Autobahnrastplatz. „Gottseidank ist der Rastplatz Sillium noch gesperrt“, sagt Holles Bürgermeister Klaus Huchthausen. Dadurch sei die Fallzahl in seiner Gemeinde deutlich geringer geworden.

„Häufig kommt es vor, dass die Leute einen Hund, den sie nur zur Pflege haben, einfach ableinen“, erzählt Wiebke Pawenski. „Das würde ich nie machen, das Risiko ist einfach zu groß“, erklärt die 30-Jährige. Mischa, ihren neun Monate alten Kaukasischen Hirtenhund, hält die zierliche dreifache Mutter ebenfalls noch an der Leine. Fachwissen ist für sie eine absolute Notwendigkeit bei der Tierhaltung. Dazu gehört für sie, dass sie ihre kleinen Kinder nie alleine mit den großen Hunden lässt. Doch Angst wäre beim Umgang mit Hunden ein schlechter Berater. Wichtig seien Geduld und Respekt vor dem Lebewesen. „Ich nehme es auch keinem Hund übel, wenn er mich mal beißt“, sagt Wiebke Pawenski.

Lammfromm war übrigens der erste Fall des Paares. Der wartete in Bad Salzdetfurth auf sie. In der Straße an der Worth war ein großer Hund unterwegs, das meldeten die Anwohner der Polizei und die alarmierte die Pawenskis. Bis zum Eintreffen der Tierretter hatten die Anwohner sich des Mischlingshundes angenommen. „Der Hund ist sehr gepflegt, ich glaube, der wartet hier auf seine Leute“, sagt Peter Pawenski am Freitag. Und er sollte Recht behalten. Am Sonnabend holten überglückliche Besitzer ihren Ausreißer wieder ab.

Bild: Wiebke und Peter Pawenski aus Schellerten sind als Tierretter für sieben Gemeinden unterwegs. Foto (c) Heidrich / HAZ

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(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin (Andrea Hempen / Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

 

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