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Festakt, Ausstellung und Dorffest: Ganz Schellerten feiert das 800-jährige Bestehen des Dorfes

800 Jahre Ortschaft Schellerten - Historischer Rundgang durch Schellerten
800 Jahre Ortschaft Schellerten - Historischer Rundgang durch Schellerten
(Schellerten/htw) Ein Höhepunkt der 800-Jahr Feier war der geführte Rundgang durch das historische Dorfzentrum, an dem 200 Interessierte teilnahmen

Mit einem bunten Rahmenprogramm hat Schellerten am Wochenende das 800-jährige Bestehen des Dorfes im Pfarrgarten rund um das Pfarrhaus gefeiert. „Nehmen wir den Regen dankbar an“, bemerkte Pastor Johannes Achilles, als der Festakt zur Eröffnung des Dorffestes im kleinen Festzelt von einem kräftigen Regenguss begleitet wurde.

Zusammen mit Ortsbürgermeister August-Ludolf Ohlms und Ortsheimatpflegerin Heike Klapprott enthüllte der Pastor am Mauerwerk des Eingangs zum Pfarrgarten eine Gedenktafel, die an die erste Erwähnung des Dorfes in einem Lehnverzeichnis des Grafen Siegfried I. von Blankenburg erinnert. Der von Otto Brunke in ein Eichenbrett geschnitzte lateinische Spruch mit dem Hinweis auf „Scelerte“ ist auf Deutsch in eine Messingplatte graviert: „Im Dorf das Schellerten heißt, (gibt es) ein Haus, das Luppoldus von Escherde gehört“. Darunter ist das Ortswappen aus dem Jahr 1947 zu sehen.

In ihrem Rückblick auf die 800-jährige Dorfgeschichte erinnerte Heimatpflegerin Klapprott daran, dass es keine konkrete Geburts- oder Gründungsstunde des Dorfes Schellerten gebe. Sie habe aber im Jahr 2011 in der Landesbibliothek in Hannover diesen wichtigen Hinweis in dem Lehnverzeichnis des Grafen aus dem Jahr 1212 entdeckt. Bis vor zwei Jahren war nachgewiesen, dass Schellerten erstmals im Jahr 1244 erwähnt wurde. Wann der Ort tatsächlich einmal gegründet wurde, sei nicht bekannt. Gefeiert werde das Dorfjubiläum mit dem neuen Gründungstermin nunmehr im Zentrum des Urdorfes, wo früher einmal die Urhöfe waren und wo die „Schelle“ entlang geflossen sei: Dieser Bach sei um das Jahr 1860 leider verrohrt worden und münde nördlich des Dorfes in die Klunkau. Die Kirche stehe am südlichen Rand des Ortes, weil damals kein Platz mehr dafür im Dorf war, berichtete die Heimatpflegerin. In welchem Jahr die Kirche an der Dorfstraße gebaut worden sei, sei leider nicht bekannt.

Dann hielt sie eine Flasche Wasser mit einem Etikett hoch, auf dem die Burg Regenstein zu sehen ist. Diese Burg, so Klapprott, habe dem damaligen Grafen Siegfried I gehört, der in Schellerten ein Haus hatte. Jetzt, so Klapprott, könne man die Wasserflaschen „zur Feier des Tages“ im örtlichen Supermarkt kaufen. So schließe sich der 800 Jahre alte Kreis wieder. Im Pfarrhaus konnte anschließend eine Ausstellung über die Geschichte von Schellerten bewundert werden, die Klapprott zusammengetragen hatte.

Bürgermeister Witte erinnerte daran, dass die Ortschaft im Laufe der Jahrhunderte viele Konflikte und auch religiöse Kriege erlebt habe. Jetzt gebe es einen wichtigen Grund zum Feiern. Dann ertönte im Pfarrgarten lautstark die von der Bördeschule Schellerten unter der Regie von Schulrektor Rudolf Maxen aufgenommene „Börde-Hymne“. Gleichzeitig verkaufte die Schule Buttons mit dem Hinweis auf das Dorfjubiläum. Parallel dazu startete unter der Regie von Julia Brunke ein Luftballon-Wettbewerb. Die Gewinner können zum Jahresende mit schönen Preisen rechnen.

Im alten Backhaus qualmte der alte Backofen aus dem Jahr 1800, wo Herbert Weddig, Walter Riechers und Dieter Lehnhoff bei einem Schaubacken leckeren Butterkuchen, Brot und Brezel produzierten. Die Freiwillige Feuerwehr demonstrierte, wie man vor 100 Jahren Brände mit der Handspritze gelöscht hat und wie man heute die Brände bekämpft.

In einem anderen Zelt hatte Kindergartenleiterin Anke Harstick eine Bastelecke für Kinder eingerichtet. Das örtliche DRK servierte Kaffee und Kuchen. Am Abend spielten die „Original Klunkautaler“ unter der Leitung von Hansi Kaufmes zum Tanz und zur Unterhaltung im beheizten Festzelt auf.

Einen weiteren Höhepunkt bildete am Sonntag Vormittag bei strahlendem Sonnenschein der historische Dorfrundgang unter der Führung von Heimatpflegerin Klapprott und Ortsbürgermeister Ohlms, an dem mehr als 200 Dorfbewohner und Gäste teilnahmen „Wir hatten nicht einmal mit der Hälfte der Teilnehmer gerechnet“, sagte Ohlms erfreut.

Nach einem Gottesdienst am Nachmittag weihten Pastor Achilles und Superintendent Christian Castel die alte Kirchenglocke nach einer Generalüberholung feierlich ein. Sie wird in Kürze an alter Stelle im Turm wieder aufgehängt. Der Bläserchor Schellerten hatte das gemeinsame Mittagessen zuvor im Pfarrgarten mit Musik umrahmt. Dort wurde Erbsensuppe aus der Gulaschkanone serviert, die mit Wasser aus dem Erbsenbrunnen gekocht war.

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(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors (Hans-Theo Wiechens/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

 

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