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Zum Schwimmen bleibt keine Zeit - Heinz Germershausen behält Badegäste in Garmissen im Blick

Heinz Germershausen behält Badegäste in Garmissen im Blick
Heinz Germershausen behält Badegäste in Garmissen im Blick
(Schellerten/am) Er ist der Mann am Beckenrand im Garmisser Freibad: Heinz Germershausen. Seit 25 Jahren ist er für die Sicherheit der Badegäste im Freibad verantwortlich. Dafür bekam er gerade eine Urkunde von seinem Arbeitgeber, Bürgermeister Axel Witte (rechts). Die hängt gerahmt in seinem Büro, zusätzlich verziert mit einem Utensil des Schwimmmeisters: einer Trillerpfeife.

Gut und gerne 450 Mädchen und Jungen brachte Germershausen das Schwimmen bei, nahm ihnen die Seepferdchenprüfung ab. Einige Kinder zeigten schon im zarten Alter von vier bis fünf Jahren Prüfungsangst. Ein Junge ängstigte sich so sehr, dass er sich im Garten seiner Eltern versteckte. „Die Mutter rief mich an und sagte, sie könne ihren Sohn nicht finden“, erzählt Germershausen und schmunzelt. Der Schwimmmeister versprach trotz seines Feierabends, im Bad zu warten. Und tatsächlich, Mutter und Sohn kamen. Junior zog seine 25 Meter Bahn, dann sollte er tauchen. Doch das war es wohl, wovor er solche Angst hatte. Der kleine Mann sicherte sich eine Stelle am Beckenrand, die Germershausen – mittlerweile in Zivilkleidung – nicht so schnell erreichen konnte. Dachte der Junge zumindest.

„Da bin ich in voller Montur ins Wasser, dann hat das mit dem Tauchen doch noch geklappt“, erinnert sich der 51-Jährige. Diese Geschichte trug sich nach dem Umbau des Garmisser Bades zu. Davor war das Bad nicht bei allen Kindern sonderlich beliebt – bei einer Wassertemperatur  von 14 Gard irgendwie verständlich. Doch mittlerweile wird das Bad beheizt, und die Gäste nutzen es bei 23 Grad Wassertemperatur ausgiebig. Manche sogar nachts.

„Als wir noch keine Videoüberwachung hatten, legte ich mich nachts mal auf die Lauer. Ich wollte wissen, wer da einbricht“, erinnert sich Germershausen. Als die Nachtschwimmer das Bad wieder verlassen wollten, hatte der pfiffige Schwimmmeister das Eingangstor geöffnet. „Die gingen da ganz selbstverständlich durch“, erzählt er. Als er dann laut fragte: „Kann ich jetzt abschließen?“ stand den jungen Eindringlingen der Schrecken ins Gesicht geschrieben. „Wir haben dann noch ein Bier zusammen getrunken und viel gelacht“, erinnert sich Germershausen. Ernst weist er aber darauf hin, dass das nächtliche Betreten des Bades einen Hausfriedensbruch darstellt.

Gern erzählt der drahtige Gemeindeangestellte solche Anekdoten. Die hätte er in seinem Ausbildungsberuf bestimmt nicht erlebt. KfZ-Mechaniker lernte er nach der Schule. Und zwar nur, weil er nicht aus seiner Heimatstadt Alfeld weg wollte. Hätte er damals dort auch die Schwimmmeisterausbildung absolvieren können – er hätte es getan. Denn seit einer Schwimm-AG in der Schule war er Feuer und Flamme für diese Tätigkeit. „Am Wasser arbeiten und anderen Menschen helfen“, das reizte ihn. Mit 13 Jahren trat er in die DLRG ein, mit 16 ins DRK. „Erste Hilfe und Wasserrettung, das ist dicht beieinander“, sagt er. Viele Jahre später, nach seiner Ausbildung im Hildesheimer Freibad Jo-Wiese, sollte ihm das von Nutzen sein: 2006 ging ein Kind im Garmisser Bad unter. Ein Mitschwimmer hievte den bewusstlosen Körper an die Oberfläche. Germershausen packte beherzt zu, reanimierte das Kind – es überlebte. Zeit, das Geschehen zu verarbeiten hatte er kaum. „Das Bad war voll, da kannste ja nicht zumachen“, sagt er.

Am vollen Nichtschwimmerbereich erkennt Germershausen, dass so mancher Badegast tatsächlich nicht schwimmen kann. Das erschwert seine Aufgabe, vor allem, wenn 1000 bis 1200 Gäste das Bad bevölkern. „Die Arbeit sieht einfach aus. Ist sie aber nicht“, sagt er. Er müsse seine Augen überall haben, sei für alles zuständig.

In der Saison arbeitet er zwölf Tage am Stück, dann folgt ein freies Wochenende. Die Dienste teilt er sich mit Gabriela Mühlich, einer Saisonkraft. Obwohl beide imwahrsten Sinne desWortes im Sommer an der Quelle sitzen – Zeit zum Schwimmen bleibt ihnen nicht.

Gut vier Monate dauert die Saison. Und was macht ein Schwimmmeister im Winter? „Nach dem Saisonende geht es erst einmal in den Urlaub. Rhodos“, sagt er.

Gut erholt von dem lauten Trubel in der Saison beginnt er im Oktober, das Bad winterfest zu machen. Das braucht seine Zeit. Ist dies erledigt, erstellt Germershausen einen Reparaturplan und stimmt ihn mit der Gemeinde Schellerten ab. In den Wintermonaten steht der Mann zudem dem Hallenwart der Gemeinde helfend zur Seite. Anfang Mai kehrt er dann wieder an seinen liebsten Arbeitsplatz zurück – ins Garmisser Freibad.

Das Garmisser Freibad eröffnete  am Wochenende die Saison. Das Bad ist von montags bis sonnabends von 11 bis 19.30 Uhr geöffnet. Frühschwimmer ziehen montags, mittwochs und freitags von 6 bis 8 Uhr ihre Bahnen. An Schönwettertagen (ab 30 Grad Celsius) wird Abendschwimmen von 19.30 bis 21.30 Uhr angeboten.

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(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin (Andrea Marwede/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

 

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