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Kreuzwoche hat Ottbergener Kapelle als Wallfahrtsziel - 100 Jahre Lourdes-Grotte

Franziskanerpater Werner Schlepphorst und Ottbergens Ortsheimatpfleger Hans-Georg Schrader in der Lourdes-Grotte, die vor 100 Jahren errichtet wurde und eines der Ziele der Kreuzwoche im Bistum sein wird. Foto: Mierzowsky
Franziskanerpater Werner Schlepphorst und Ottbergens Ortsheimatpfleger Hans-Georg Schrader in der Lourdes-Grotte, die vor 100 Jahren errichtet wurde und eines der Ziele der Kreuzwoche im Bistum sein wird. Foto: Mierzowsky
(Schellerten/sky) Franziskanerpater Werner Schlepphorst und Ottbergens Ortsheimatpfleger Hans-Georg Schrader in der Lourdes-Grotte, die vor 100 Jahren errichtet wurde und eines der Ziele der Kreuzwoche im Bistum sein wird. Foto: Mierzowsky

Auch wer kein Katholik oder gar Marienverehrer ist, wird sich des Respekts vor der kirchlichen Anlage auf dem Kreuzberg südlich von Ottbergen nicht erwehren können. Der Wind liegt stark im Laub der Bäume, von der Seitenmauer der kleinen Kapelle kann der Blick weit übers Land schweifen. Und die kleine stets offene Lourdes-Grotte, die vor 100 Jahren hier errichtet wurde, ist eine der vielen Erinnerungsstätten, die von Einzelschicksalen und schweren Zeiten zeugen.

Der Kreuzberg wird in der nächsten Woche wieder Ziel von zahlreichen Gottesdienstbesuchern und Wallfahrern werden.

Am Sonntag beginnt die sogenannte Kreuzwoche, einer der Höhepunkte im katholischen Kirchenkalender, besonders auch für Ottbergen.

Die Gottesdienste am Wallfahrtsort wurden in vergangenen Zeiten von tausenden von Menschen besucht, erzählt Ottbergens Ortsheimatpfleger Hans-Georg Schrader. Von 20000 berichtet sogar ein Bericht der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei des Nazi-Staates, deren Agenten die kirchlichen Aktivitäten argwöhnisch beobachteten und Wort für Wort protokollierten, was dort derehemalige Bischof Godehard predigte: offene Kritik am System der Nazis. „Für viele Christen war es damals eine große Chance, auf diese Weise ihren Widerspruch zum Regime zu demonstrieren.“ Eine religiöse Protestform, die auch an heutige Zeiten erinnert, wenn man an die arabischen Staaten denkt.

„Leider ist der Zuspruch in der Vergangenheit zurückgegangen“, bedauert Schrader. Trotzdem bleibt derKreuzberg für viele Einheimische ein fester Anlaufpunkt. Auch im Besuchs- und Bittbuch in der Lourdes-Grotte finden sich zahlreiche Einträge.

„Das zeigt, dass auch Menschen von weither ihren Weg zu uns finden, um hier einen Moment der Stille zu genießen.“

Und das seit 100 Jahren. Laut Überlieferung hat der Hildesheimer Zahnarzt Alexander Schreiber 1911 die Lourdes-Grotte in Ottbergen auf eigene Kosten errichten lassen. Der glühende Marienverehrer wollte damit Buße dafür leisten, dass eine seiner Patientinnen nicht mehr aus der Narkose erwachte, erzählt Schrader.

Und so habt die Pfarrgemeinde St. Nikolaus die Aufgabe übernommen, die Grotte zu hegen und zu pflegen. „Wir sind dafür immer wieder auf Spenden angewiesen“, sagt Schrader. Die Bau- und Kulturgeschichte der Kapelle ist im Innenraum auf mehreren Tafeln dokumentiert, dort hängt auch der Gestapo-Bericht.Doch der größte Schatz, den das kleine Gebäude birgt, ist eine kunstvoll eingefasste Reliquie: ein Splitter vom Kreuz Jesu – das sei jedenfalls urkundlich vor langer Zeit so bezeugt, fügt Ortsheimatpfleger Schrader diplomatisch hinzu.

Zum idyllischen Außengelände gehört eine breite, von Lindenbäumen gesäumte Rasenfläche, die sich hangabwärts neigt: der eigentliche Kreuzgang, über den am nächsten Dienstag, 13. September, Bischof Norbert Trelle zu 20 Uhr eine Lichterprozession von der Pfarrkirche Ottbergen hinauf zum Kreuzberg führen wird.

Wer sonst eine Gelegenheit zum Kennenlernen dieser ansprechend gelegenen Anlage sucht, ist von der Gemeinde sonntags von 15 bis 17.30 Uhr eingeladen, sagt Schrader. Dann ist die Kapelle geöffnet. Die Lourdes-Grotte selbst ist ständig geöffnet. Dort können Besucher auch kleine Windlichter erwerben, sagt er.

Anfahrt von der B 6 aus Richtung Wendhausen nach Ottbergen, dort die Wöhler Straße bis fast zum Ortsausgang fahren und dann die Waldstraße bis zum Parkplatz hinter der Weizsäcker-Oberschule

Kreuzwoche mit Lichterprozession

Die Kreuzwoche beginnt am Sonntag, 11. September, mit einem Pilgerweg für Jugendliche und Erwachsene ab 9 Uhr von Wietze nach Bergen-Belsen. Um 15 Uhr ist Heilige Messe mit dem Hildesheimer Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger.

In Ottbergen gibt es eine Lichterprozession am Dienstag, 13. September, um 20 Uhr von der Pfarrkirche zum Kreuzberg. Dort predigt BischofNorbert Trelle.

Am Mittwoch, 14. September, hält Franziskanerpater Werner Schlepphorst um 9.30 Uhr ein Hochamt zum Fest der Kreuzerhöhung auf dem Berg. Historischer Anlass ist die Einweihung der Grabeskirche in Jerusalem am 14. September 335. Der Legende nach soll die römische Kaiserin Helena damals das Kreuz Jesu wiedergefunden haben. Abschluss in Ottbergen ist am Sonntag, 18. September. Um 14 Uhr beginnt von der Pfarrkirche Ottbergen aus eine Prozession mit der 1836 übernommenen Kreuzreliquie zum Kreuzberg. Das Hochamt hält Generalvikar Werner Schreer. Es gibt die Möglichkeit, mit Sonderbussen zu fahren: ab Hildesheim um 13.05 Uhr ab dem Bahnhof,um 13.10 Uhr am P.-v.-H.-Platz, Rückkehr um 16.30 Uhr ab Ottbergen.

In Hildesheim feiert das Bistum die Kreuzwoche ebenfalls am Mittwoch, 14. September, um 9.30 Uhr mit einem Hochamt in der Kirche Heilig Kreuz sowie am Sonnabend, 17. September, um 18 Uhr ebenfalls dort. Beim Einzug wird das Reliquienkreuz Heinrichs des Löwen gezeigt.

(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors (Norbert Mierzowsky/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

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