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Klärschlamm-Entsorgung ist teuer / Gemeinde Schellerten setzt künftig ganz auf Vererdung

Die idyllischen Schellerter Schönungsteiche sind der zentralen Kläranlage nachgeschaltet. Foto:Wedig
Die idyllischen Schellerter Schönungsteiche sind der zentralen Kläranlage nachgeschaltet. Foto:Wedig
(Schellerten/tw) Die idyllischen Schellerter Schönungsteiche sind der zentralen Kläranlage nachgeschaltet. Foto:Wedig

In einer Kläranlage ist heutzutage ausgefeilte Hochtechnologie zu Hause. Die kann vieles, aber eines kann sie (noch) nicht: den Schlammauflösen, der beim Filtern und Klären des Abwassers in verschiedenen Reinigungsstufen anfällt. Der Schlamm muss also irgendwohin –und die Entsorgung ist umso günstiger, je weniger Wasser er enthält.

Am Anfang ist der Klärschlamm ziemlich flüssig und voluminös, er enthält gerade mal drei Prozent Trockenmasse. Durch „Vererden“, also Entwässern, in Poldern kann dieser Anteil auf bis zu 50 Prozent wachsen. In Sachen Vererdung war die Gemeinde Schellerten in der Hildesheimer Region einst Vorreiter. Das Prinzip wird auf einem Versuchsfeld neben der Kläranlage schon seit mehr als 15 Jahren angewendet.

Hauptsächlich lag die Entwässerung des Klärschlamms in den vergangenen Jahren allerdings in den Händen einer Maschine, „Pressmaster“ genannt. Die ist in die Jahre gekommen und kann die Aufgabe nicht mehr lange erfüllen. Die Gemeinde ließ daher vom Hildesheimer Ingenieurbüro Pabsch und Partner mehrere Wege prüfen, wie der Klärschlamm in Zukunft am günstigsten entwässert werden kann. Die teuerste Variante wäre laut dieser Untersuchung, den Schlamm flüssig abzutransportieren–dieses Verfahren würde pro Jahr rund 185 000 Euro verschlingen. Entwässern mit einer Filterpresse wäre günstiger. Die wirtschaftlichste Variante ist nach Einschätzung der Ingenieure aber klar die Vererdung.

Für diesen Weg müsste die Gemeinde pro Jahr nur rund 100 000 Euro aufbringen, die nötigen langfristigen Investitionen eingerechnet. Diese belaufen sich voraussichtlich auf rund eine Million Euro. Die Vererdungspolder neben der Kläranlage sollen, wenn sie einmal für dieses Geld angelegt sind, voraussichtlich 35 Jahre lang nutzbar sein.

In den Poldern bleiben nach mehrjähriger Entwässerung von einer zwei Meter dicken Schlammschicht gut 20 Zentimeter übrig. Beim Vererden hilft eine eingesäte Grasschicht, die den trocknenden Schlamm belüftet. Alle drei bis vier Jahre wird das getrocknete Substrat mit einem Bagger ausgeräumt und abtransportiert.

Es enthält dann zwar viele Nährstoffe – aber auch Schwermetalle. Dadurch ist der Einsatz der vererdeten Schlamms als Düngemittel in der Landwirtschaft nur eingeschränkt möglich. Unter Umständen muss er stattdessen verbrannt werden.

Die weitere Entwicklung der entsprechenden Verordnungen und Grenzwerte ist schwer einzuschätzen. So erwartet das Ingenieurbüro, dass der Grenzwert für Cadmium möglicherweise im Jahr 2017 weiter gesenkt wird – der Schellerter Schlamm würde diese Hürde nach den aktuellen Werten kaum schaffen. Andererseits zeigt sich allerdings auch eine gegenläufige Tendenz: Immer weniger Schwermetalle landen überhaupt im Abwasser und dadurch später im Klärschlamm. Das Fazit des Ingenieurbüros: Die Vererdung sei mittlerweile ein sicheres, gut funktionierendes Verfahren. Mit einer Geruchsbelästigung sei nur am Tag nach dem Aufbringen neuen Schlamms zu rechnen. Doch auch dann sei sie „ziemlich gering“, dazu habe das Büro bei einer vergleichbaren Anlage eigens ein Geruchsgutachten in Auftrag gegeben.

Die Mitglieder des Schellerter Bauausschusses teilen die Einschätzung, dass die Vererdung für Schellerten künftig der richtige Weg ist, um den Schlamm loszuwerden. Sie beauftragten die Verwaltung einstimmig, die nötigen Schritte für eine Vererdung des Klärschlamms einzuleiten.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors (Thomas Wedig/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

 

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