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Bald tagt Umweltrat im grünen Klassenraum


(Schellerten/tw) Was macht eigentlich eine Umweltschule? – In der Richard-von-Weizsäcker-Schule sind die Ziele seit 14 Jahren im Alltag verankert. „Umweltschule in Europa“ ist ein Aushängeschild, das sich gerade zwölf Schulen im Landkreis Hildesheim verdient haben. Das ist kein Selbstläufer, ganz im Gegenteil: Wo die Flagge mit dem grün-blauen Logo an einer Schule flattert, da haben Schüler und Lehrer zwei Jahre lang nicht nur über die Umwelt geredet, sondern auch eine Menge für sie getan – zum Beispiel in Ottbergen.

Die Richard-von-Weizsäcker-Schule schreibt sich die Ziele einer Umweltschule immer wieder neu auf die Fahnen, plant neue Projekte und setzt sie in allen Klassenstufen um. Erstmals ging die Schule 1996 ins Rennen, seitdem hat sie im Zwei-Jahres-Rhythmus stets den Umweltschul-Titel verteidigt, wurde mittlerweile zum achten Mal in Folge ausgezeichnet.

Längst ist der Umwelt-Gedanke an der Schule fest verankert: Es gibt einen Umweltrat, in den jede der 14 Klassen Vertreter schickt. Das Gremium trifft sich etwa dreimal im Halbjahr, bespricht neue Pläne. Außerdem hat der Blick auf die Umwelt seinen festen Platz im Schulprogramm: „Wir wollen zum Umweltbewusstsein erziehen“, heißt es dort – und dieses verstärkte Bewusstsein soll alle Lebensbereiche durchdringen. So sind die Inhalte weit gefasst. Gesundes Frühstück gehört ebenso dazu wie das Motivieren zum regelmäßigen Wassertrinken durch eine kürzlich aufgebaute Zapfstation.

Im Kern geht es natürlich um die Natur. Die liegt den Schülern in Ottbergen quasi vor der Schultür am Kapellenberg zu Füßen und bietet Platz für manches Projekt – nicht nur wegen des Fichtelpfades, der sich hier mit seinen lehrreichen Anregungen entlangzieht. Ein Stück weiter pfl egt der zehnte Jahrgang regelmäßig die Heidelandschaft an der Kapelle und sorgt dafür, dass sie nicht verwildert. Für die 7. Klassen stehen Waldeinsätze auf dem Programm, angeleitet von einem Förster. Dabei zählten die Schüler zum Beispiel Ameisenhügel, um das aktuelle Vorkommen der kleinen Helfer im Wald zu dokumentieren. Ihr Ergebnis: Die Zahl der Hügel nimmt ab. Die 5. und 6. Klassen lernen indessen eine Menge bei den „Waldjugendspielen“. Denn bei dieser Rallye durch den Wald gilt es, knifflige Fragen rund um Flora und Fauna der Heimat zu beantworten.

Eine Herausforderung für die Schüler war in der jüngsten Umweltschul-Periode ein großes Quiz zur schuleigenen Solaranlage. Es regte die unteren Klassen an, sich intensiv mit der Photovoltaik-Anlage zu beschäftigen, die seit Juni 2004 auf dem Dach Strom produziert. „Sie zu bauen, war damals ein riesiger Aufwand“, erinnert sich die Lehrerin Erika Steinhorst, die das Umweltschul-Projekt an der Richard-von-Weizsäcker-Schule zusammen mit ihrer Kollegin Monika Sommerfeld und Sybille Wippern aus der Elternschaft betreut. Heutzutage sprießen die Solaranlagen geradezu auf öffentlichen Dächern, ein System von Unterstützern hat sich etabliert. Vor mehr als sechs Jahren gehörten die Ottberger noch zu einer deutlich kleineren Schar der Vorreiter.

Ziel der Schule ist allerdings nicht nur, Strom zu erzeugen, sondern auch zu sparen: Licht ausknipsen, wenn es nicht gebraucht wird, und richtiges Lüften – auch das sind Lernziele im Schulalltag, in der Theorie und in der Praxis. Ansonsten haben in der Umweltschule alle Klassen ihre festen Aufgaben. Die 8. pflegen das Außengelände, die 9. den Teich und den Schulgarten.

Ein Projekt, mit dem die Schule bei der aktuellen Auszeichnung punktete, ist das Grüne Klassenzimmer. Der Wahlpfl ichtkurses, der es gestaltet, wurde im Februar vergangenen Jahres gegründet. „Damals sah der Innenhof wie ein Urwald aus“, heißt es in der ausführlichen Dokumentation für die Umweltschul-Bewerbung. „Alles war zugewachsen.“

Das hat sich geändert, die Schüler haben fl eißig geackert. Erst gestern waren sie wieder im Einsatz. Die Fläche für das Grüne Klassenzimmer ist abgesteckt. Im kommenden Jahr soll dort bei schönem Wetter Unterricht möglich sein. Dann kann auch der Umweltrat dort tagen und sich inspirieren lassen.

So nimmt die Umweltschule in Ottbergen Jahr für Jahr eine immer vielfältigere Gestalt an, wird das Mosaik der Konzepte und Projekte stets ergänzt. Und der Umweltrat hat schon neue Ideen – für die neunte Runde.

Bild: Jeder Jahrgang hat in der Umweltschule andere Aufgaben: Welche, präsentieren die Mitglieder des Umweltrates der Ottberger Haupt- und Realschüler auf Plakaten, während Hausmeister Jens Schlüter
im Hintergrund die neue Umweltschul-Flagge befestigt. (Foto: Wedig)

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung/ Thomas Wedig)

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