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Kath. Kirche St. Michael zu Dingelbe

Kath. Kirche St. Michael zu Dingelbe

 

In der Baugeschichte der Kirche spiegeln sich viele Jahr­hunderte wider, denn der Turm, das Lang­haus mit Tonnen­gewölbe, das Quer­haus mit Holz­balken­decke, der Chor und die Apsis sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Dabei ist der nach Westen weithin sichtbare Turm aus dem 15. Jahr­hundert der älteste Teil des Gottes­hauses. Das Lang­haus, 1786 erbaut, steht auf den Fundamenten des vorherigen Kirchen­schiffes. 1899 erfolgte eine Erweiterung der Kirche durch den Anbau von Quer­haus, Chor und Apsis im neo­romanischen Stil.

Das Innere der Kirche erfuhr, besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahr­hunderts, mehrfach eine Umgestaltung. Der größte Ein­griff geschah in den 1970er Jahren. Altar, Kanzel, Seiten­altäre, Kron­leuchter und Wand­malereien wurden entfernt, der Innen­raum der Kirche völlig neu gestaltet.

1973/74 erhielt das Gotteshaus, angefangen in Quer­schiff und Chor und ein Jahr später im Lang­haus, neue Fenster. Sie sind nach Ent­würfen des Graphikers und Designers Prof. Paul König, Hildesheim, von dem Borsumer Bau- und Kunst­schlosser Hans-Bernhard Flentje gearbeitet und von Glaser­meister Rudolf Garms, Hildesheim, in Antik­glas in den Farben Blau, Gelb und Orange verglast worden.

Auch der neue Altar, der Ambo, die Tabernakel­stele, das Hänge­kreuz im Bogen zwischen Chor und Apsis, der Tauf­stein mit Becken und die Marien­stele sind nach Entwürfen von Prof. Paul König entstanden.

Ebenso drei Altarleuchter, sechs Stand­leuchter, der Oster­leuchter, das Ewige Licht mit Rubin­glas­aufsatz, vier Leuchter an der Marien­stele, die Weih­wasser­becken und die Wand­leuchter.

Altar, Tabernakelstele, Tauf­stein und Marien­stele sind aus Muschel­kalk-Kern­stein vom Natur­stein­betrieb Kern­bach aus Nord­stemmen gefertigt und zum großen Teil fein geschliffen worden. Die Metall­arbeiten, auch die Verkleidungen, ausgeführt von Schlosser­meister Karl Kaufhold, Hildesheim, bestehen aus Kupfer – der Tabernakel­schrein aus Stahl – und sind mit einer silber­haltigen Bronze­legierung überzogen. Berg­kristalle in unterschiedlichen Größen und Einlege­arbeiten aus Email – hier beherrscht die Farbe Blau das Bild – zieren durch­gängig die sakralen Gegenstände.

Die Wände wurden einfarbig gestrichen, die Apsis dunkel­grün. Diese Farbgebung änderte man 1986 wieder. Die Apsis erhielt jetzt einen hell­grauen, die Holz­balken­decke im Quer­haus einen roten Anstrich, die Wände ein gebrochenes Weiß. Außer den bis jetzt beschriebenen sakralen Gegenständen fallen in der Kirche einige Skulpturen und die Kreuz­weg­stationen auf. Sie sind bei der großen Umgestaltung des Gottes­hauses Mitte der 1970er Jahre nicht entfernt worden.

In der Mitte des Langhauses steht rechts die Dublette einer gotischen Pieta. Das Original der Pieta befindet sich als Dauer­leihgabe im Dom-Museum in Hildesheim. Laut eines Gutachtens der Firma A. Ochsenfarth aus Paderborn werden die Jahre zwischen 1410 und 1450 als Entstehungs­zeit angenommen.

Der Pieta genau gegenüber ist die Figur des hl. Michael in Ritter­rüstung als Streiter wider den Teufel zu sehen. Die Kreuz­weg­stationen, ebenfalls im Lang­haus, malte gegen Ende des 19. Jahr­hunderts der Historien­maler Friedrich Eltermann aus Hildesheim. Im vorderen Vierungs­bogen steht links auf einer Konsole der hl. Franziskus. Hier dargestellt mit Kreuz, Buch und, zu seinen Füßen, einem Toten­schädel. Auf der rechten Seite ist der hl. Josef mit Kind zu sehen.

Im linken Teil des Querhauses befindet sich an der Ost­wand die Marien­stele. Die Figur Maria mit Kind, aus der alten Kirche übernommen, hatte ursprünglich keinen Strahlen­kranz. Sie bekam die Mandorla bei ihrer letzten Restaurierung.

Vor dem Chorbogen steht rechts am Pfeiler eine Skulptur Johannes der Täufer. An der Ost­wand des rechten Seiten­schiffes hängt über dem Tauf­stein eine Kreuzigungs­gruppe. Auch hier ist, wie bei den anderen Figuren, die Entstehungs­zeit unbekannt.

Die Orgel mit neoromanischem Prospekt auf der Empore im westlichen Teil der Kirche wurde 1904 von der Orgel­bau­werkstatt Furtwängler & Hammer aus Hannover gebaut. Unter der Empore befindet sich der Beicht­stuhl.

Im Turm hängen zwei Klang­guss­glocken, die 1948 bei der Firma Weule in Bockenem gegossen wurden. Sie sind auf die Töne Dis und Fis gestimmt. Eine dritte Glocke, die sogenannte Michaels­glocke, ist eine auf Gis gestimmte Bronze­glocke von 1920.

In der Kirche St. Michael begegnen sich – wie in keiner anderen Kirche der Region – altes und neues Verständnis sakraler Kunst.

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