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Kath. Klosterkirche St. Johannes der Täufer zu Ottbergen

Kath. Klosterkirche St. Johannes der Täufer zu Ottbergen

 
Der ehemalige Zisterziensermönch Johannes Vorwerk, der 1810 Pfarrer von Ottbergen wird, erwirbt dort ein Grundstück und baut ein Wohnhaus mit einer kleinen Kirche. 1852 schenkt er Grundstück und Gebäude dem Bischof von Hildesheim mit der Bestimmung, eine Niederlassung für Kapuziner oder andere Bettelorden einzurichten. Von 1853 bis 1863 ziehen Kapuziner in das Kloster Ottbergen ein. Die ersten fünf Franziskaner kommen 1868. Bedingt durch die Gesetze des Kulturkampfes zwischen dem Staat und der katholischen Kirche wird das Kloster 1875 geschlossen und bis 1887 zur privaten Nutzung vermietet.

Die Bauarbeiten für die heutigen Klostergebäude beginnen 1896. In den folgenden Jahren werden die bestehenden Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt. Die Grundsteinlegung für die Klosterkirche ist im Jahr 1900 und 1904 findet die Weihe zu Ehren des hl. Johannes des Täufers statt. Während der Zeit des Dritten Reiches enteignet das NS-Regime 1941 das Kloster. Nach der Entweihung der Kirche im Februar 1942 und nach Ausräumen der Einrichtung dient sie als Lagerraum. Im Juli 1945 wird die Kirche erneut geweiht und seitdem wieder für den kirchlichen Dienst genutzt.

Die Franziskaner kehrten nach Kriegsende zurück und auch das Internat und das Progymnasium nahmen ihren Betrieb wieder auf. Beides wurde nach dem Schuljahr 1970/71 geschlossen. Aus personellen Gründen gaben die Franziskaner 2012 das Ottberger Kloster auf. Seitdem wohnen hier Franziskaner-Minoriten, die die Pfarrgemeinden St. Martin Achtum (mit drei Kirchorten) und St. Nikolaus Ottbergen (mit sieben Kirchorten) betreuen. Im Kloster ist auch das Pfarrbüro der Pfarrgemeinde St. Nikolaus Ottbergen untergebracht.

Die dreischiffige, neuromanische Klosterkirche entsteht nach Plänen des Baurats Richard Herzig aus Hildesheim. Zusammen mit den ebenfalls aus rotem Backstein errichteten Klostergebäuden bildet das Gotteshaus den westlichen Flügel einer Anlage mit u-förmigem Grundriss. Als Kirche eines Bettelordens hat sie keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter.

In einer Nische über dem Eingangsbereich von Kloster und Kirche steht eine Figur des hl. Franziskus, die mit hoch erhobenem Kreuz die Besucher der Kirche begrüßt. Im Innenraum beeindruckt der Kontrast des Backsteinrots der Fensterbögen und Arkaden zu den weiß verputzten Wänden. Das Längsschiff ist in vier jochartige Abschnitte gegliedert. Über den Pfeilerarkaden sind Drillingsblendfenster mit Rundbögen angeordnet. Darüber befindet sich noch in jedem Joch ein Halbkreisbogenfenster. In der linken Seite fehlt jedoch ein Fenster wegen des angrenzenden Klostergebäudes. Die Verglasung entwarf Wilhelm Keudel aus Salzgitter-Schäferstuhl.

Der Chorraum wird durch das Blau der Apsis beherrscht. Hier steht eine Tabernakelstele aus braun-grau geflecktem Marmor. Die Fa. Kernbach aus Nordstemmen stellte sie 1967, ebenso wie den Hauptaltar und den linken Seitenaltar, nach Entwürfen des Architekten Wilhelm Keudel her. Der Ambo, gefertigt nach einem Entwurf von Prof. König aus Hildesheim, befindet sich seit 1980 in der Kirche.

Über dem Hauptaltar hängt eine gemalte Kopie des Tafelkreuzes von San Damiano bei Assisi. Der Überlieferung nach begann in der Kapelle San Damiano die religiöse und soziale Wandlung des hl. Franziskus. Links vom Altar befindet sich die Figur hl. Johannes der Täufer, des Patrons der Klosterkirche, Nachbildung einer 1493/94 entstandenen Figur aus dem Hochaltar in Blaubeuren. Auf der rechten Seite steht eine Madonna mit Kind, deren spätgotisches Original sich in St. Koloman bei Füssen befindet. Beide Holzfiguren werden um 1980 erworben. Über dem linken Seitenaltar hängt ein in der ersten Hälfte des 18.  Jahrhunderts entstandenes Ölbild mit der Darstellung des stigmatisierten, himmelwärts blickenden hl. Franziskus.

Der Keramik-Kreuzweg, ca. 1980 von Schwester Theonilla Heinig OSB aus der Abtei zum Hl. Kreuz in Herstelle gestaltet, wurde aus dem aufgegebenen Franziskanerkloster in Berlin-Tempelhof übernommen. Im rechten Seitenflügel neben dem Chorraum ist die Marienkapelle mit dem Gnadenbild Unsere liebe Frau von der immerwährenden Hilfe. Diese Kopie der bekannten Madonnenikone ist schon vor 1873 ins Kloster Ottbergen gekommen.

An der linken Seitenwand der Marienkapelle steht auf einer Konsole eine aus Holz geschnitzte Pieta aus dem frühen 19. Jahrhundert. Diese, gotischen Vorbildern nachempfundene Skulptur, ist umrahmt von Votivtafeln. Eine der Tafeln berichtet von einem gelähmten Mädchen, das durch Gebete vor dem Gnadenbild geheilt wurde.

Die auf der Empore stehende Orgel, 1981 von der Firma Hillebrand aus Isernhagen gebaut, besitzt zwei Manuale und 18  Register.

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