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Nachrichtenarchiv

Presseinformationen und Bekanntmachungen der Gemeinde Schellerten sowie der umliegenden Gemeinden und des Landkreises Hildesheim finden Sie in diesem Nachrichtenarchiv.







 
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09.02.2016 
Jakobsweg – es muss nicht immer Spanien sein
Klosterkirche in Ottbergen / Gemeinde Schellerten Foto (c) Annelie Leinemann
(Schellerten/am) Nachdem Hape Kerkeling sein Buch „Ich bin dann mal Weg“ 2006 veröffentlichte, stieg die Anzahl der Pilger auf dem Jakobsweg in Spanien um 71 Prozent. 13 837 Menschen wanderten einen Teil des 800-Kilometer-Weges. Eine gute Werbung. Seither ist Pilgern nicht mehr exotisch. Auch in Deutschland nicht. Denn es gibt nicht nur den einen Weg, der zum Grab des Apostels Jakobus führt. Auch der Braunschweiger Jakobsweg zielt in diese Richtung – zum Teil durch den Landkreis Hildesheim, wie hier vorbei am Kloster in Ottbergen. 

Eine historische Strecke, die jetzt wiederbelebt werden soll. Dieter Prüschenk ist im Schellerter Rathaus zu Gast. Er will dem Hausherrn Axel Witte sowie Söhldes Bürgermeister Alexander Huszar und Rainer Poelmann vom Landkreis Hildesheim sein Projekt vorstellen, sie bitten, ihn zu unterstützen. Denn der Weg von Ost nach West auf dem einstigen Hellweg soll ausgeschildert werden. Und dafür braucht es Genehmigungen.

Prüschenk ist der ehrenamtliche Projektleiter „Braunschweiger Jakobsweg“. Der ehemalige Banker mit dem weißen Haar und dem freundlichen Gesicht ist begeistert von seiner Aufgabe. Mit Enthusiasmus stellt er das Projekt, das die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, das Bistum Hildesheim und die evangelische Akademie Abt Jerusalem unterstützen, vor. Der Braunschweiger Jakobsweg wird seit 2013 Stück für Stück wieder zusammengeführt. Am Ende soll die Verbindung von Magdeburg bis Höxter stehen. Schon vor Jahrhunderten nutzten die Menschen den Jakobsweg durch das Braunschweiger Land, um nach Santiago de Compostela, der letzten Ruhestätte des Apostels Jakobus, zu kommen. Die Pilger von heute sollen auf ihrem Weg nicht alleine gelassen werden. Deshalb braucht es Hinweisschilder an Kreuzungen und etliche Tipps – etwa, welche Kirchen am Wegesrand geöffnet sind, wo es etwas zu Essen gibt und in welcher Herberge sie die Nacht verbringen können. Das birgt auch für die Orte neue Chancen. In Veltheim etwa baut ein neu gegründeter Pilgerverein das alte Pfarrheim von Heilig Kreuz zu einer Pilgerherberge um. Übernachtungsmöglichkeiten könnten auch Klöster anbieten, so Prüschenk.

Er will den Weg lebendig gestalten, Menschen mit einbeziehen. Wie Heimatpfleger Hans-Georg Schrader. Der Mann aus Ottbergen kennt sich mit der Geschichte seines Ortes und des Klosters bestens aus, deswegen ist er einer der neuen Wegepaten. Er ist Ansprechpartner und Tipp-Geber für die Pilger, die alleine, in Gruppen mit oder ohne Führung des Weges kommen.

Die Pilgerangebote kommen gut an, sagt Prüschenk. Er führte von 2010 bis 2012 schon Wanderer in Etappen von Magdeburg bis Hildesheim. „Das ist mehr als eine Wanderung“, beschreibt er. Es sei ein geistiges Angebot mit Andacht, Segen, Schweigeabschnitten.

Die Wege liegen zwischen Wäldern und Feldern, auf Wander- und Radwegen und führen auch an Bundesstraßen entlang. Gerade hat Prüschenk einen Gestattungsvertrag in Helmstedt unterschrieben. Dort dürfen die zwölf mal 15 Zentimeter großen blauen Hinweisschilder mit der gelben Muschel darauf angebracht werden. Die Anbringung übernimmt eine Braunschweiger Firma. Die ist mit der Ausschilderung in der Löwenstadt schon fast fertig. Und so kann es im Frühjahr weitergehen. Etwa im Landkreis Hildesheim. Doch Schilder dürfen nicht willkürlich angebracht werden. Die Genehmigungen sind derzeit Prüschenks großes Thema. Rainer Poelmann vom Kreis signalisierte schon, dass die Schilder im Verlauf des Radweges Hameln-Berlin kein Problem sein dürften. Bleibt die Frage: Was sagen die betroffenen Verkopplungsgesellschaften? Huszar und Witte sichern dem Pilgerbegleiter Prüschenk ihre Unterstützung zu. In den nächsten Tagen werden sie ihm eine Liste der Ansprechpartner zukommen lassen. „Unsere Maxime ist, so wenig Schilder wie möglich aufzustellen“, erklärt Prüschenk. Auch mit der Stadt Hildesheim wird er noch Kontakt aufnehmen, denn der Weg erstreckt sich über Uppen, den Galgenberg bis zum Dom.

Im Herbst will Pilgervater Prüschenk den berühmtesten aller Jakobswege erwandern. Um in Santiago des Compostela das Zertifikat zu bekommen, muss er die letzten 200 Kilometer gelaufen sein. Für den Braunschweiger dürfte das kein Problem sein, schließlich trainiert er auf dem Braunschweiger Weg.

Das ökumenische Pilgerprogramm 2016 ist in einem Prospekt zusammengefasst und im Pilgerbüro, Theologisches Zentrum, Alter Zeughof 1, in Braunschweig (0531 / 1 205417) zu haben. Am 11. und 12. Juni geht es durch das Leine-Weser-Bergland. Die 55-Kilometer-Tour führt von Hildesheim über das Kloster Marienrode und Wrisbergholzen nach Grafelde. Am Sonnabend, 20. August, startet eine Tour in Braunschweig Riddagshausen. Über den Kammweg geht es von dort nach Ottbergen.

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(geänderter) Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin (Andrea Hempen/Hildesheimer Allgemeine Zeitung)

Foto: Klosterkirche in Ottbergen (c) Annelie Leinemann 

 

 
Der vorstehende Text ist Bestandteil des Nachrichtenarchivs des Landkreises Hildesheim und der umliegenden Gemeinden.

Die Gemeinde Schellerten, ihre Mitarbeiter und Beauftragten sind nur verantwortlich für solche Texte des Nachrichtenarchives, die mit dem Autorenkennzeichen (Schellerten) am Textanfang gekennzeichnet sind.  

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